Sonntagmorgen, in einem kleinen Stüberl in der Nähe von Salzburg: Eine Gruppe junger Menschen sitzt um einen Tisch. Auf den ersten Blick wirkt die Szene unscheinbar. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass hier Zukunft gestaltet wird. Angeregt wird über einen Text aus der Apostelgeschichte diskutiert. Gestern waren sich die meisten noch fremd, da sie sich noch nie zuvor begegnet sind. Heute sind sie eine von vier Gruppen unseres diesjährigen Jungschar-Basiskurs. Alle sind sie hier, um während einer Woche zu lernen, verantwortungsvolle Jungschar-Leiter zu werden.
Im Zentrum stehen für uns nicht Programme, sondern Menschen. Die Schulungen sind geprägt von Offenheit, Ehrlichkeit und einem tiefen Wunsch, junge Leiterinnen und Leiter zu stärken. Es geht um praktische Fähigkeiten – wie man eine Gruppe führt, Konflikte löst, einen Jungschar-Nachmittag oder ein Jungschar-Lager organisiert – aber genauso um innere Haltung: Wie begegne ich anderen mit Respekt? Wie lebe ich meinen Glauben authentisch? Und wie kann ich ein Umfeld schaffen, in dem sich Kinder sicher fühlen?
«Im Zentrum stehen für uns nicht Programme, sondern Menschen.»
Rudolf Hächler, Landesleiter Österreich
Viele unserer Teilnehmenden kommen selbst aus lokalen Gruppen oder waren Teilnehmer bei einem unserer regionalen Jungschar-Lager. Sie haben erlebt, wie prägend Gemeinschaft sein kann – und möchten dies weitergeben. In unseren Schulungen werden sie begleitet, hinterfragen sich selbst und wachsen über ihre bisherigen Grenzen hinaus.
Ein Teilnehmer, Manuel S., berichtet uns nach dem Kurs: «Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die praktischen Dinge während des Kurses. Das Planen und Durchführen des Geländespiels sowie meine Rolle als Tagesleiter waren Highlights für mich. Auch den Abschlussabend inklusive des Gottesdienstes gemeinsam zu organisieren und zu gestalten, war sehr schön.»
Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit entfaltet sich jedoch dort, wo die Schulungen konkrete Wirkung zeigen: in den lokalen Gruppen. Über ganz Österreich verteilt treffen sich Kinder regelmässig in derzeit 30 Gruppen – meist an Samstagnachmittagen oder unter der Woche am frühen Abend. Hier entstehen tragfähige Beziehungen, die oft über Jahre hinweg Bestand haben. Ehrenamtliche Leiterinnen und Leiter investieren Woche für Woche Zeit und Herzblut, bereiten abwechslungsreiche Programme sowie lebensnahe Andachten vor, hören zu und begleiten junge Menschen in ihrem Alltag.
Ein besonderer Höhepunkt dieser Arbeit sind unsere Zeltlager im Sommer. Hier entstehen Räume, in denen Gemeinschaft noch intensiver erlebt wird. Abseits des gewohnten Alltags verbringen Kinder und Jugendliche mehrere Tage miteinander – sie lachen, spielen, singen, entdecken die Natur und setzen sich gemeinsam mit Glaubensfragen auseinander. Hier entstehen oft tiefe Freundschaften und prägende Momente, die lange in Erinnerung bleiben.
Der ABÖJ sorgt dafür, dass die lokalen Gruppen nicht isoliert bestehen, sondern Teil eines grösseren Netzwerks sind. Leiterinnen und Leiter werden befähigt, begleitet und miteinander vernetzt. Sie lernen voneinander, teilen Erfahrungen und entwickeln gemeinsam neue Ideen. So ist über Jahrzehnte hinweg eine lebendige Bewegung entstanden, die sich stetig weiterentwickelt – getragen von jungen Menschen selbst.
Besonders beeindruckt mich der Multiplikationseffekt: Wer heute geschult wird, prägt morgen andere. Junge Leiter begleiten Kinder, die später selbst Verantwortung übernehmen. Was klein beginnt, wächst weiter und entfaltet nachhaltige Wirkung. Immer häufiger nehmen Jugendliche an Kursen teil, deren Eltern bereits in ihrer eigenen Jugend Teil von Jungschar-Angeboten des ABÖJ waren – ein Zeichen dafür, wie tief diese Arbeit wirkt.
Hier erleben und leben wir ganz praktisch, was Paulus in 2. Timotheus 2,2 an seinen jugendlichen Freund geschrieben hat: «Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.»
Natürlich bringt diese Verantwortung auch Herausforderungen mit sich. Ehrenamtliche stehen neben Schule, Studium oder Beruf in ihrer Leitungsrolle. Doch gerade hier zeigt sich die Stärke der Gemeinschaft: Man trägt einander, ermutigt sich und wächst gemeinsam. Die Schulungen geben nicht nur Wissen weiter, sondern schaffen auch ein Netzwerk, das Halt gibt.
Was in unseren Gruppen, Freizeiten und Kursen beginnt, reicht weit in die Zukunft hinein. Denn dort, wo Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen, andere zu stärken und ihren Glauben zu leben, entsteht eine Hoffnung, die trägt – und bleibt.




