«Ealow, geh links! Geh rechts! Jetzt geradeaus – geschafft!» Der junge Mann, der gerade maturiert hat und Bauingenieurwesen studieren will, versucht mit verbundenen Augen einen Weg zu gehen. Alle rufen ihm Richtungen zu – im Gegenteil. Nur wenn jemand seinen Namen sagt, weiss Ealow aus den Spielregeln: Diese Richtung stimmt. Ruhig filtert er die richtige Stimme aus dem Rufen und geht Schritt für Schritt aufs Ziel zu.
In der Reflexion danach fasste eine 18-jährige Teilnehmerin in einem Satz zusammen, was dieses Spiel mit dem Glauben zu tun hat. Ihr Satz ist uns geblieben.
«Der richtigen Stimme zu vertrauen, führt zum Ziel. Das ist wie das Hören auf die weise Stimme Gottes.»
eine 18-jährige Teilnehmerin, Äthiopien
Der Kurs in Addis Abeba war der erste YI-Einführungskurs auf afrikanischem Boden. Zwölf junge Erwachsene wollten lernen, wie sie Kinder in ihrem Umfeld erreichen können. Untergekommen sind wir im Selam-Kinderdorf – einer Organisation, die Waisenkinder betreut und junge Fachkräfte ausbildet. Daniels Vater hatte viele Jahre für dieses Werk gearbeitet und schon vor Jahren angefragt, ob wir dort einen Jungschar-Kurs geben würden. Wir hörten zu – und verschoben es immer wieder. War es jetzt klug zu gehen?
Montagmorgen, acht Uhr: Der Verantwortliche führt uns in sein Büro – und zwölf motivierte Gesichter schauen uns an. Verabredet war eigentlich ein Gespräch über den Kursablauf; dass schon alle Teilnehmenden da sein würden, hatten wir nicht erwartet. Unser erstes kulturelles Missverständnis – zum Glück schnell gelöst. Am nächsten Tag starteten wir den Kurs.
Auch mit Erfahrung in internationalen Schulungen merkten wir schnell: Es ist ein Unterschied, ob man etwas sagt – oder es auf die kulturell passende Weise sagt.
Nach Tagen mit Grundlagen und Üben bereiteten wir die Teilnehmenden darauf vor, selbst ein Programm für die Kinder des Geländes zu gestalten. Ein Geländespiel war für sie völlig neu. Ealow nahm die Herausforderung an und erfand sein eigenes Spiel zum Thema des Kindernachmittags – der weise und der törichte Baumeister. Passend dazu schnitzte und bastelte er zu Hause kleine Häuser aus Karton.
Freunde gewinnen war einfach: Auf der Strasse gibt es alle 200 Meter einen Kaffee. Als Daniel frühmorgens an zwei Teilnehmenden vorbeikam, luden sie ihn sofort ein, sich zu setzen – und schoben ihm das Essen mit der Hand direkt in den Mund.
Wir reisten mit viel Gelächter, vielen Bildern und einer Einladung zurückzukommen nach Hause. Und mit offenen Fragen: Wie kann aus diesem Anfang etwas wachsen? Wie findet die Arbeit Anschluss an eine lokale Kirche? Was wäre der nächste kluge Schritt? Eines wissen wir: Wir müssen aufmerksam hinhören, ob Gott einen Auftrag für uns in Äthiopien hat. Betet ihr mit?