Jungschar in Odessa

Nikolay Niuniaiev, Landesleiter Ukraine | YI News 06/2024

Jungschar in Odessa

Vor der Invasion leitete Nikolay Niuniaiev in Odessa eine Jungschar für Teenager ab 12. Als die grossen Angriffe begannen, verliessen die Teenager das Land. Auch Nikolay floh mit seiner Familie in den Westen der Ukraine – zwei Kinder, seine Frau hochschwanger. Auf engstem Raum wohnten sie mit anderen Flüchtlingen in einem Haus von Operation Mobilisation. Später kehrte die Familie nach Odessa zurück.

Mit der Zeit kamen neue Kinder in die Kirche. Mit ihnen startete Nikolay die wöchentlichen Treffen wieder – diesmal mit Kindern ab acht Jahren.

«Gott begegnet uns nicht nur in der Bibel – sondern in allem, was wir sehen, fühlen, berühren und hören.»

Nikolay Niuniaiev, Landesleiter Ukraine
Kinder kochen einen Topf über dem Lagerfeuer.

Was dort passiert, ist keine Sonntagsschule. Die biblische Lektion findet draussen statt, mit allen Sinnen: Feuer anzünden, über dem Feuer kochen, etwas bauen, Freundschaften pflegen. Und Ehrfurcht vor der Schöpfung lernen – die Welt so zu hüten, wie Gott sie uns anvertraut hat.

Am Anfang leitete Nikolay allein. Dann kehrten zwei frühere Teilnehmer aus dem Ausland zurück – sie wollten als Minileiter mithelfen. Ein älteres Mädchen stiess dazu und unterstützt seither die Mädchengruppe. Nikolay begleitet die drei intensiv; zwei von ihnen bereiten sich gerade auf die Taufe vor.

Gott hat ihm auch traumatisierte Kinder anvertraut. Ein Mädchen floh aus einem besetzten Gebiet und hat Dinge gesehen, die kein Kind sehen sollte. Ein anderes erlebt die schwierige Scheidung seiner Eltern. Und ein adoptierter Junge, der unter schweren Bedingungen aufwuchs, verändert sich nach zwei Jahren in der Jungschar sichtbar zum Guten – die Menschen um ihn herum merken es.

Die grösste Herausforderung im Alltag: die zerstreute Aufmerksamkeit der Kinder, ihre Stimmungsschwankungen zwischen Bildschirm und Hyperaktivität. Lange verstand Nikolay das nicht. Dann wurde ihm klar: Es ist Stress. Luftalarm und Raketenangriffe machen den Kindern Angst – auch seinen jungen Helfern. Seine Antwort: noch mehr Abenteuer draussen, bis die Kinder wieder zur Normalität finden.

Die Ukraine wird nicht mehr dieselbe sein, sagt Nikolay. Das Land wird viele traumatisierte Kinder und Jugendliche haben. Genau hier kann die Jungschar-Arbeit mit ihren Erfahrungen helfen, Kinder zu stärken und zu heilen – und die Kirchen fragen bereits an.

Wegen des Krieges fehlen Nachwuchsleitende; die Anfragen können sie im Moment gar nicht alle annehmen. Doch Nikolay ist überzeugt: Mit Gottes Hilfe wird sich die Jungschar-Arbeit in der Ukraine weiter ausbreiten. Bet mit uns für die Kinder in Odessa – und für neue Leitende.

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